Artikel in der BKZ vom 09.08.2017

Das "Bädle" in Erbstetten muss erhalten bleiben!

Artikel in der BKZ vom 09.08.2017

Das Bädle soll nicht baden gehen

Zur Rettung des Freibads Erbstetten sind hohe Spenden erforderlich – Bürgermeisterin und Förderverein präsentieren erste Ideen

Mindestens 1,6 Millionen Euro wird die dringend erforderliche Sanierung des Freibads Erbstetten kosten. Etwa die Hälfte davon soll durch Spenden zusammenkommen. Welche Aktionen zu diesem Zweck geplant sind, erklärten gestern Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz sowie Anja Geldner und Silke Schmidt vom Vorstand des Freibad-Fördervereins bei einem Pressetermin.

Von Florian Muhl

BURGSTETTEN. „Unser Bädle darf nicht baden gehen!“ – so lautet nicht nur das Motto der großen Saisonabschluss-Veranstaltung im Freibad am Sonntag, 10. September, sondern jeder in der Gemeinde denkt so. Davon ist Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz überzeugt. Den Schock über die Höhe der Sanierungskosten müssen in der Gemeinde erst einmal alle überwinden. Die Studie des Ingenieurbüros Richter und Rausenberger hat offengelegt, dass 1,6 bis 1,8 Millionen Euro benötigt werden (wir berichteten).

Doch von Frustration keine Spur. Im Gegenteil: Die Bürgermeisterin und ihre Verwaltungsriege und auch die Gemeinderäte sowie die Mitglieder des Freibad-Fördervereins sind voll motiviert. „Wir machen das“, hatte Wiedersatz bereits am Ende der Präsentation der Sanierungsstudie im Gemeinderat optimistisch angekündigt. Die Rathauschefin setzt dabei auf das bürgerliche Engagement und die Kreativität aller Verantwortlichen bei der Suche nach Möglichkeiten, Spenden zu sammeln.

„Wir haben drei tragende Säulen, wie wir das erforderliche Geld zusammenbekommen können“, sagt Anja Geldner, eine der drei Vorsitzenden der Freibad-Fördervereins. „Wir sammeln Spenden und bauen auf bürgerschaftliches Engagement. Das Fehlende müsste die Gemeinde über einen Kredit finanzieren.“

Wiedersatz geht davon aus, dass 500000 bis 800000 Euro über Spenden zusammenkommen könnten. Sollte eine Größenordnung in dieser Höhe erzielt werden, würden an der Gemeinde noch etwa 600000 bis 1,3 Millionen Euro hängen bleiben, je nachdem, welche Sanierungsvariante zum Zug kommt und wie hoch die Eigenleistung beim Innenausbau bewertet wird. Die Bürgermeisterin setzt große Erwartungen in Zuschüsse aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) sowie in Mittel aus dem Ausgleichsstock. Wiedersatz hofft, 30 Prozent der Kosten, die die Gemeinde tragen müsste, vom Land zu erhalten.

Bei einer Bürgerversammlung am Donnerstag, 14. September, um 19.30 Uhr in der Gemeindehalle Erbstetten werden Interessierte umfassend über die notwendigen Sanierungsmaßnahmen informiert. In einem Anschreiben an alle Haushalt will Wiedersatz jeden Bürger der Gemeinde Burgstetten dazu einladen. Zudem will sie über dieses Einladungsschreiben abfragen, wer sich handwerklich bei den Sanierungs- beziehungsweise Neubaumaßnahmen einbringen könnte und für welches Gewerk. Aber auch Frauen und Männer, die gerne und gut backen können, werden gesucht. Oder die die Bauarbeiter durch Speis und Trank auch bei Laune halten würden.

Zwar ist es bis zum möglichen Baubeginn noch weit hin. „Im September 2019 könnten wir mit der Sanierung beginnen, wenn wir das Geld beisammen haben“, rechnet Wiedersatz vor. Aber die Zeit vergeht schnell. „Wir müssen jetzt powern und die Werbetrommel kräftig rühren.“ Ein Jahr Zeit geben sich die Verantwortlichen selbst, um die Voraussetzungen zu schaffen, das Bädle zu retten.

Die Öffentlichkeitsarbeit von Gemeinde und Freibad-Förderverein verzeichnet bereits erste Erfolge. „Bei unserer Hauptversammlung im Juni hatten wir 135 Mitglieder“, sagt Silke Schmidt. „Jetzt, wenige Wochen später, sind es bereits knapp 160.“ Die Vorsitzende des Freibad-Fördervereins aus Burgstall kommt schon ins Freibad, seitdem sie denken kann. So runde knappe 50 Jahre werden’s sein. Bereits als Kind ist sie mit ihren vier Geschwistern über die Stoppelfelder gelaufen. In den Sommermonaten fast jeden Tag. Dann sei mit 17 die Zeit gekommen, da ist man lieber in der Clique ins Backnanger Freibad gegangen. Aber als sie 24 Jahre alt war, ist sie ihrem Bädle wieder treu geworden. Bis heute. Aktuell geht sie mit ihrer 16-jährigen Tochter jeden Tag nach Erbstetten zum Schwimmen. Anja Geldner hat sich überlegt, im kommenden Jahr ein großes Sponsorenschwimmen zu veranstalten, nach dem Vorbild der Sponsorenläufe, wie es sie an Schulen gibt. Bereits an Sonntagen in diesem Jahr kann sie sich kleine Veranstaltungen dieser Art vorstellen. Sie will dafür ihr Jahressalär, das sie als Gemeinderätin erhält, spenden.

 

Auch Jessica Bubeck, Meisterin für Bäderbetriebe, zieht mit an dem Strang aller Unterstützer. Schließlich ist das Freibad ihr „Baby“. Seitdem sie selbst in der jüngsten Gemeinderatssitzung saß und mit anhören musste, wie ernst es um das Freibad bestellt ist, streichelt sie jeden Tag die Filteranlage, auf dass diese nicht plötzlich ihren Geist aufgeben wird. Und auch sie ist fasziniert von der Idee, selbst im Winter eine Veranstaltung zu organisieren, mit der Spenden gesammelt werden können. Denn es gibt ganz Verwegene, die vor nichts zurückschrecken. Selbst vor eiskaltem Wasser nicht. Martin Tschepe beispielsweise. Der deutsche Vizemeister im Eisschwimmen, der im Kreis zu Hause ist, spielt mit dem Gedanken, ins Bädle zu kommen.